The European Heritage Project by Peter Löw
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Palais Seinsheim

„Ich werde nicht ruhen,
bis München aussieht wie Athen.“

König Ludwig I.

Im Herzen der Münchner Altstadt, nur wenige Schritte von der Frauenkirche entfernt, befindet sich in der Prannerstraße 7 ein architektonisches Schmuckstück mit bewegter Geschichte: das Palais Seinsheim. Das Palais wurde um 1754 erbaut und zählt zu den Stadtpalais des Kreuzviertels, dem früheren Wohnviertel des bayerischen Adels. Es ist eines der größten und bedeutendsten Stadthäuser des Münchner Rokoko und bis heute ein markantes Beispiel adeliger Wohnkultur in der Residenzstadt.

Wer an der Prannerstraße vorbeigeht, ahnt oft nicht, welch kulturhistorisches Erbe sich hinter der hellen Fassade verbirgt. Im Inneren zeugen erhaltene Stuckdecken, Spiegelverkleidungen und ehemalige Gesellschaftsräume noch vom Glanz vergangener Zeiten.

2025 konnte das European Heritage Project das geschichtsträchtige Stadtpalais vom Bayerischen Städtetag erwerben und umfassend sanieren.

KAUFSITUATION

Das European Heritage Project hatte seinen Hauptsitz im Alten Hof in neuzeitlichen Büroräumen auf Fundamenten der alten Burg. Als für 2025 der Mietvertrag auslief, wurde beschlossen, sich nach einer anderen Niederlassung umzusehen. Durch Vermittlung eines guten Freundes wurde das European Heritage Project darauf aufmerksam gemacht, dass in der Prannerstraße das ehemalige Palais Seinsheim zum Verkauf stehen würde. Die Kaufverhandlungen seien schon weit fortgeschritten, jedoch sei es über einige Vertragsklauseln zu Streitigkeiten gekommen, sodass beide Seiten beschlossen hätten, sich gegenseitig Zeit zum Nachdenken zu lassen.
Der Verkäufer war der Bayerische Städtetag, der das Anwesen bereits im Jahr 1982 erworben hatte und dort seine Hauptgeschäftsstelle beheimatet hatte. Aufgrund von Kostensparvorgaben sah sich der Bayerische Städtetag gezwungen, nunmehr das Anwesen zu verkaufen und in für ihn eigens vorbereitete Räumlichkeiten der Sparkassenorganisation am Hauptbahnhof umzuziehen.
In dieser Schwebe­situation ergriff das EHP seine Chance. Das EHP bot an, in die bestehenden Vertragsentwürfe einzusteigen und dem Bayerischen Städtetag in den strittigen Punkten weit entgegenzukommen. Zusätzlich versprach das EHP, das ehemalige Palais Seinsheim, eines der bedeutendsten Rokokobauten Münchens, fachgerecht zu sanieren und wieder als Rokoko-Palais mit repräsentativen Veranstaltungsräumen instand zu setzen.
Dies überzeugte den Vorstand des Bayerischen Städtetages, und so konnte ein Kaufvertrag bereits innerhalb weniger Wochen nach Tätigwerden des EHP abgeschlossen werden. Der Kaufpreis wurde ohne Einschaltung eines Kreditinstituts aus eigenen Barmitteln beglichen.

GESCHICHTE

Im Jahr 1726 erwarb Maximilian Franz Graf von Seinsheim das bis an die Prannerstraße 7 reichende Grundstück – heute Promenadeplatz 8. Dort befand sich seinerzeit ein barockes Stadthaus, das in ein vorderes und ein hinteres Gebäude gegliedert war. Das vordere Haus wurde vom Grafen selbst bewohnt und später als Palais Maffei bekannt, während das wesentlich kleinere hintere Haus seinem Erben Joseph Franz Graf von Seinsheim (1707–1787) als Wohnsitz diente. Dieser wirkte später als bayerischer Minister und Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
In der von Joseph Franz Graf von Seinsheim detailliert geführten Buchhaltung finden sich zwischen Mai 1753 und September 1754 vermehrt Einträge zum „Hausbau“ in der Prannerstraße. Da der Architekt lediglich mit seinem Nachnamen genannt wird, lässt sich nicht eindeutig klären, ob Johann Baptist Gunezrhainer oder dessen Bruder Ignaz Anton – beide renommierte Palastarchitekten – mit dem Bau beauftragt waren.
Aus nicht bekannten Gründen entschloss sich Joseph Franz von Seinsheim 1764, das erst zehn Jahre zuvor errichtete Haus wieder zu veräußern. Der neue Eigentümer, Karl Graf von Ruepp, verstarb jedoch bereits nach wenigen Jahren, so dass das Palais 1768 erneut an Joseph Franz von Seinsheim zurückverkauft wurde. Mit diesem Verkauf wurde auch die ursprüngliche Trennung in vorderes und hinteres Haus aufgehoben. Dem einzigen Sohn, Maximilian Joseph Clemens Graf von Seinsheim (1751–1803), und seiner Gemahlin, der Freifrau von Frankenstein-Ullstadt (1754–1832), wurde das hintere Haus als Wohnsitz eingerichtet.
Nach der Teilzerstörung im Jahr 1944 wurde das Palais 1949 mit der bereits erwähnten erweiterten Fassade wieder aufgebaut. Eine umfassende Gesamtsanierung mit baulichen Veränderungen in den Innenräumen folgte 1982. Anschließend diente das Palais bis 2025 als Sitz des Bayerischen Städtetags, des kommunalen Spitzenverbands der bayerischen Städte.
Kultureller Sammelpunkt Münchens
Das repräsentative Stadtpalais diente nicht nur der standesgemäßen Wohnnutzung, sondern war zugleich ein bedeutender Treffpunkt des kulturellen Lebens Münchens. Hier empfing man Berühmtheiten und hochrangige Gäste aus ganz Europa zu Assembleen, Tanzabenden und Konzerten. Zu den bekannten Besuchern zählten unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart und der Freiheitsdichter Daniel Schubart, der als Autor des Liedes „Die Forelle“ bekannt ist.
Mozart hielt sich im Herbst 1780 in der Prannerstraße auf, um der Uraufführung seiner Oper Idomeneo, Re di Creta (KV 366) im Cuvilliés-Theater beizuwohnen, die er im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor komponiert hatte. Sein Freund Maximilian Clemens von Seinsheim dürfte als einer der wenigen privaten Gäste an den Proben teilgenommen haben.

ARCHITEKTUR

Das Palais präsentiert sich als dreigeschossiger Bau mit Satteldach. Die schlichte Fassade ist durch eine feine Gliederung und zurückhaltenden Stuck geschmückt – typische Merkmale des späten Rokoko, wie es in München gepflegt wurde. Zugleich lassen sich bereits erste Einflüsse des aufkommenden Klassizismus erkennen.
Ein größerer Umbau erfolgte im Jahr 1809 durch den Münchner Architekten Joseph Höchl. Dabei wurden die vormals getrennten Gebäude baulich zusammengeführt und zu einem einheitlichen Palais harmonisiert.
Eine heute kaum noch erkennbare Besonderheit verdient besondere Erwähnung: Ursprünglich wurde das Palais nur achtachsig errichtet. Ein angrenzender Stadel wurde später zu einem kleineren Wohnhaus mit eigenem Treppenaufgang umgebaut. Nach den Besitzverhältnissen handelte es sich jedoch stets um eine Einheit. Erst der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg vereinte beide Baukörper hinter einer gemeinsamen, zwölfachsigen Fassade.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Palais beschädigt, die historische Fassade überstand die Bombennächte jedoch weitgehend. Der Wiederaufbau erfolgte 1949 unter der Leitung des Architekten Herbert Landauer. Dabei wurde das Gebäude modernisiert und westlich um mehrere Achsen erweitert – ein Eingriff, der die heutige, gestreckte Fassadenfront entscheidend prägte.

ZUSTAND BEI AKQUISITION UND RESTAURIERUNGEN

Das Palais Seinsheim befindet sich in der Prannerstraße im Münchner Zentrum. Es ist eingebettet zwischen dem Hotel Bayerischer Hof und dem Arco-Palais, das inzwischen der Erzdiözese München gehört. Schräg gegenüber befindet sich das Rosewood Hotel, und wenige Meter weiter das Bischöfliche Ordinariat im Palais Holnstein.
Auf der Rückseite des Gebäudes zum Promenadenplatz hin befand sich ehemals das Palais Maffei, das inzwischen durch ein neuzeitliches Bürohaus ersetzt wurde. Das Palais Seinsheim umfasst eine vierflügelige Anlage mit geräumigem Innenhof und verfügt über vier Stockwerke bei einer Gesamtnutzfläche von ca. 3.500 qm.
Das Palais war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden. Original erhalten geblieben ist im Wesentlichen nur die Fassade, die im rechten Bereich von dem Architekten Herbert Landauer in den Jahren 1945/46 verlängert worden war. Das eigentliche Palais war zu großen Teilen infolge eines Bombentreffers zusammengestürzt, wurde jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg aus den vorhandenen Schuttsteinen, also den Originalsteinen, auf den historischen Grundrissen wieder aufgebaut.
Die Seitenflügel entsprachen in ihrer Kubatur ungefähr den historischen Vorlagen, wurden jedoch in den Nachkriegsjahren entsprechend dem Stil der Zeit neu errichtet. Im Inneren wirkte die Anlage wie ein Bürogebäude aus den 1960er Jahren. Das Dach war weitgehend nicht ausgebaut, in den Kellergeschossen waren Archivräume untergebracht.

Umbaumaßnahmen

Aufgrund der historischen Bedeutung und der prominenten Lage des Gebäudes stellten sich die Umbaumaßnahmen als durchaus anspruchsvoll heraus. Zum einen galt es vor allem, die Rokoko-Fassade in ihrem ursprünglichen Bestand wiederherzustellen. Dazu mussten insbesondere die Fenster überarbeitet werden.
Im Erdgeschoss waren neuzeitliche Fenster aus den 1960er- und 1970er-Jahren als Schaufenster installiert. Hier wurden entsprechend der historischen Vorlage Kastenfenster mit Sprossen eingebaut. Die Bestandsfenster im ersten, zweiten und dritten Stock aus den 1950er-Jahren, die bereits damals in einem historisierenden und zur Fassade passenden Stil rekonstruiert worden waren, mussten energetisch überarbeitet und mit Isolierglas ausgestattet werden, ohne die Substanz der Rahmen zu verändern.
In den Innenräumen mussten die Einbauten aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren rückgebaut und zahlreiche abgehängte Decken entfernt werden. Die Teppichbodenbeläge aus den 1970er-Jahren wurden entfernt und durch Parkettböden ersetzt. Historische Stuckaturen konnten leider nicht mehr aufgefunden werden und mussten nach alten Vorlagen neu ergänzt werden.
Die beiden großen Repräsentationssäle im ersten Stock waren durch Möbelwände in ihrer Struktur zerteilt worden; diese mussten vollständig entfernt werden. Eine vorhandene Lüftungsanlage konnte teilweise erhalten werden, wurde jedoch durch Wärmetauscher sowie den Anschluss an Fernwärme und Fernkälte technisch verbessert. Die Sanitärräume konnten an ihren vorhandenen Stellen erhalten werden, mussten jedoch grundlegend überholt und neu ausgestattet werden.
Die gesamte Elektroinstallation musste vollständig erneuert werden. Das Heizungssystem hingegen konnte, da es bereits auf Fernwärme basierte, weitgehend übernommen werden. Die Maßnahmen im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss sind inzwischen weitgehend umgesetzt, und das EHP hat dort bereits seine Betriebsstätte eingerichtet.
In der Folge ist geplant, in den historisch weniger wertvollen Bereichen mehrere Aufzüge einzubauen, die das Erdgeschoss mit dem dritten Obergeschoss verbinden sollen. Beim Erwerb des Gebäudes konnte ein bestehender Bauvorbescheid übernommen werden, der nicht nur den Ausbau des Dachgeschosses, sondern auch eine Aufstockung des ehemaligen Remisenhauses in Richtung des neuzeitlichen benachbarten Büroblocks zum Promenadenplatz hin zulässt. Durch diese Aufstockung kann erreicht werden, dass der bislang störend wirkende Blick auf das Nachbargebäude in angemessener Weise verdeckt wird.
Die Kellerräume müssen vollständig überarbeitet und teilweise trockengelegt werden, um Platz für Archive und repräsentative Räumlichkeiten zu schaffen. Schließlich ist auch der gesamte Innenhof neu zu gestalten. Er soll künftig als Aufenthalts- und Erholungsbereich genutzt werden. Dazu ist es erforderlich, den neuzeitlichen Bodenbelag durch einen historisch passenden Belag zu ersetzen. Zudem ist geplant, im Zentrum des Innenhofs eine Brunnenanlage zu errichten.
Ziel der Sanierung ist es, das Palais Seinsheim wieder als eines der repräsentativsten und stadtprägenden Gebäude Münchens zu etablieren.

KURIOSES UND GESCHICHTEN

Mozart im Palais Seinsheim

Leben und Werk von Wolfgang Amadeus Mozart sind eng mit der Stadt München verbunden. Zwei seiner herrlichen Werke entstehen in der damaligen Residenzstadt München: Am 13. Januar 1775 findet die Uraufführung von „La finta giardiniera“ statt, am 29. Januar 1781 wird die Oper „Idomeneo“ im Cuvilliéstheater aus der Taufe gehoben.
Dazu hielt sich Mozart im Winter der Jahre 1780 und 1781 für mehrere Wochen in der Münchner Altstadt auf, genauer in der Prannerstraße 7, der heutigen Zentrale des European Heritage Project, bei seinem Freund und Verehrer, dem jungen Maximilian Clemens von Seinsheim, nur wenige Schritte von den höfischen Gebäuden der Residenz entfernt. Von hier aus begleitete er die Vorbereitungen zur Uraufführung seiner neuen Oper Idomeneo, die er im Auftrag des Kurfürsten Karl Theodor komponiert hatte. Die Aufführung sollte im prächtigen Cuvilliés-Theater stattfinden, dem barocken Hoftheater der Münchner Residenz.
Der bayerische Kurfürst hatte klare Vorstellungen, wie er sich die von ihm bestellte Karnevalsoper wünschte. Und dazu gehörte auch ein Happy End. Doch Mozart verzweifelte am Kastraten Vincenzo Del Prato: Der könne doch gar nichts. Vorgestern habe er so gesungen, dass es eine Schande gewesen sei. Und auch der Ballettmeister löste seinen Unmut aus.
Mozart hatte allerdings Freunde in München, die ihn in seinem künstlerischen Schaffen unterstützten. Der bayerische Hofmusikintendant Graf Johann Anton von Seeau ließ kurzfristig eine Idomeneo-Orchesterprobe in seinen Räumlichkeiten stattfinden. Der Probe wohnten nur ein paar ausgewählte Persönlichkeiten bei, so natürlich auch Mozarts Freund Graf von Seinsheim. Am Ende der Probe sagte Graf von Seinsheim zu dem Musikgenie: „Ich versichere Sie, dass ich mir sehr viel von Ihnen erwartet habe, aber das habe ich wahrlich nicht erwartet.“ Man könnte fast sagen: Hätte Maximilian Clemens von Seinsheim damals das Sagen gehabt, dann wäre nicht Wien, sondern München zur Mozartstadt geworden.
Die repräsentativen Räume in der Prannerstraße boten Mozart das ideale Umfeld, um an der Fertigstellung seiner Oper zu arbeiten und sich nebenbei auch mit der illustren Gesellschaft aus ganz Europa bekannt zu machen. Nur wenige Straßen entfernt, im Cuvilliés-Theater, liefen unterdessen die Proben. Mozart eilte fast täglich von der Prannerstraße zur Residenz hinüber, um mit Kapellmeister, Musikern und Sängern zu arbeiten.
In diesen Wochen verband sich in München höfische Pracht mit der intensiven Arbeit eines jungen Komponisten auf dem Höhepunkt seiner schöpferischen Kraft. Wenn Mozart spätabends in seine Zimmer in der Prannerstraße zurückkehrte, brannte oft noch lange eine Kerze über den aufgeschlagenen Partituren. Dort entstanden die letzten Änderungen an einer Oper, die wenige Wochen später im Cuvilliés-Theater ihre glanzvolle Uraufführung erleben sollte.
1790 kommt Mozart ein letztes Mal nach München auf seiner Reise zur Krönung von Leopold II. in Frankfurt. Er gibt in der Residenz vor dem begeisterten König von Neapel ein Konzert.
Heute gibt es im frisch sanierten Palais Seinsheim den „Mozartsaal“, der an die Aufenthalte des musikalischen Genies in diesem Haus erinnert.

Die Illuminaten und das Palais Seinsheim

Der Illuminatenorden wurde 1776 von Adam Weishaupt in Ingolstadt gegründet. Der Orden war keine Verschwörung im modernen Sinn, sondern ein aufklärerischer Geheimbund, der die Vernunft über Privilegien und Aberglauben stellen wollte. Ziel war es, durch Bildung, Vernetzung und politische Reformen soziale Missstände zu beheben und aufklärerische Ideen zu verbreiten. Die Strukturen waren stark von Freimaurerlogen inspiriert.
Laut Listen historischer Mitglieder war Maximilian Joseph Clemens Graf von Seinsheim herausragendes Mitglied des Illuminatenordens und führte dort den Ordensnamen „Alfred“. Er war Teil einer Gruppe von einflussreichen Adligen und Beamten (darunter auch Namen wie Graf Seeau und Graf Preysing). Die Illuminaten im Kurfürstentum Bayern siedelten sich besonders dort an, wo Reformwillen und Verwaltung aufeinandertrafen – also genau im Milieu, in dem Seinsheim arbeitete. In der Tat zeigen Quellen, dass sich einige seiner äußerst wichtigen Mitarbeiter und Hofmeister ebenfalls dem Orden anschlossen oder zumindest dieser aufklärerischen Bewegung nahestanden. So waren wohl auch Hofmeister, Lehrer und gut vertraute Berater im Seinsheim’schen Haushalt oft Illuminaten oder Sympathisanten.
Der Orden vermittelte Kontakte zwischen Universität, Hofverwaltung und adeligen Reformkreisen. Während die politische Rolle des Grafen Seinsheim offiziell den kurfürstlichen Projekten diente, wirkte er innerhalb des Ordens für aufgeklärte Reformideen. So wurde in den Räumen der Prannerstraße oft leidenschaftlich darüber diskutiert, wie Bildung und vernünftige Gesetze das Staatswesen verbessern könnten.
Im Jahr 1785 erklärte der bayerische Staat den Orden – zusammen mit den Freimaurern – für verboten, weil man seine wachsende Vernetzung für gefährlich hielt. Obwohl es kein Verbrechen war das Vernunftdenken zu fördern, sah die konservative Hofpartei darin eine Bedrohung der etablierten Macht. Seinsheim und andere ehemalige Mitglieder gerieten in eine unangenehme Lage: Sie mussten sich öffentlich distanzieren, zugleich aber auch ihre Netzwerke schützen. Dass diese „Reformkreise“ nach dem Verbot nicht einfach verschwanden, zeigt, wie tief sie sich bereits in Verwaltung und Hofgesellschaft verankert hatten.
Maximilian Joseph Clemens Graf von Seinsheim war kein okkulter Geheimniskrämer oder Weltverschwörer, sondern vielmehr ein Repräsentant des aufgeklärten Adels im späten 18. Jahrhundert, der einem echten historischen Geheimbund angehörte. Er war ein klassisch reformorientierter Denker, der Teile seines eigenen Haushalts und engen Mitarbeiterkreises geschickt über den Orden kollaborativ einband. Auch nach dem Verbot des Bundes setzte er seine pragmatische politische Karriere fort.

Palais Seinsheim – politisches Drehkreuz

Das Palais Seinsheim war nicht nur durch seine Lage – direkt gegenüber der Ständeversammlung und in unmittelbarer Nähe zur Residenz – von zentraler politischer Bedeutung. Vor allem seine Bewohner, die Grafen von Seinsheim, waren über Generationen hinweg eng mit dem politischen Geschehen Bayerns verbunden. So manche wichtige politische Entscheidung wurde hinter den prächtigen Fassaden der Prannerstraße getroffen.
Seit Ende des 17. Jahrhunderts waren die Grafen von Seinsheim für ihr politisches Wirken bekannt. Maximilian Franz Graf von Seinsheim (1681–1737) war
Hofratspräsident in Bayern und Geheimer Rat am kurbayerischen Hof. Er gilt als Begründer des politischen Aufstiegs der Familie im 18. Jahrhundert. Als enger Berater des Hofes prägte er die Verwaltungspolitik im Kurfürstentum Bayern. Er bereitete gezielt sowohl die weltlichen als auch die geistlichen Karrieren seiner Söhne vor und legte damit die Grundlage für den Einfluss der Familie in Staat und Kirche.
Joseph Franz Maria Ignaz Graf von Seinsheim (1707–1787) war als kurbayerischer Staatsmann, Geheimer Staats- und Konferenzminister, Obersthofmeister der Kurfürstin, Kriegsminister und später Außenminister sowie Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften einer der wichtigsten Politiker der Familie. Er war die zentrale Figur am Münchner Hof unter Kurfürst Maximilian III. Joseph und beteiligt an der Gestaltung von Innenpolitik, der Hoforganisation und Diplomatie. Er war ein klassischer Aufklärungsbeamter des 18. Jahrhunderts – gebildet, vernetzt und politisch einflussreich.
Adam Friedrich Graf von Seinsheim (1708–1779) war Fürstbischof von Würzburg (ab 1755) und Fürstbischof von Bamberg (ab 1757) sowie Präsident der Hofkammer und des Hofkriegsrats und Diplomat des Heiligen Römischen Reiches. Er war also nicht nur Kirchenmann, sondern auch Landesherr und regierte zwei geistliche Fürstentümer gleichzeitig. Er führte Reformen im Bildungswesen durch und entwickelte die Universität Bamberg maßgeblich weiter. Er musste während des Siebenjährigen Krieges politische Stabilität sichern. Er war einer der bedeutendsten Fürstbischöfe des 18. Jahrhunderts und vor allem wichtig für die Verbindung von Religion, Politik und Staat.
Maximilian Joseph Clemens Graf von Seinsheim (1751–1803), Sohn von Joseph Franz Maria Ignaz, zählte zum wichtigen Teil des aufgeklärten bayerischen Adels. Sein politisches Wirken war zwar weniger offiziell als das seines Vaters, doch verfügte er über erheblichen Einfluss durch seine Netzwerke und seine Nähe zu den aufgeklärten Kreisen. Er steht für den Übergang vom absolutistischen Hofadel zum aufgeklärten Reformadel.
Nach dem Tod seines Vaters erlebte Maximilian Joseph Clemens Seinsheim gesellschaftliche Aufwertung durch die 1788 erfolgte Ernennung zum Gesandten Zweibrückens am Regensburger Reichstag. Im Vorjahr hatte das Ehepaar Seinsheim in Straßburg die Bekanntschaft mit dem liebenswürdig-lebensfrohen Prinzen Max Joseph, dem jüngeren Bruder des genannten Herzogs, vertieft. Niemand konnte erahnen, was das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Ehepaaren für den 1786 geborenen Prinzen Ludwig von Pfalz-Zweibrücken und den zwei Jahre älteren Karl August Seinsheim sowie für seine Geschwister im fernen München einmal bedeuten sollte.
Nach den Jahren voller Wirren und Leiden der Revolutionskriege verging einige Zeit, bevor der neue Kurfürst Max IV. Joseph am 12. März 1799 feierlich in München einzog. Zuvor war er mit seiner Familie aus Ansbach, dem vorläufig letzten Exil, zurückgekehrt und hatte sich zuvor inkognito in Augsburg aufgehalten.
August Karl Seinsheim, der jüngste Sohn der Familie, erinnerte sich: Im Februar 1799 erlitt Kurfürst Karl Theodor von Pfalzbayern nur wenige Tage vor dem 16. Februar während einer abendlichen Lombre-Partie einen Schlaganfall. Laut den Aufzeichnungen seiner Mutter trat dieser am 12. Februar ein, wobei der Kurfürst sofort die Sprache verlor. Am 16. Februar verstarb er um 15:20 Uhr.
Die erste Nachricht von diesem dramatischen Ereignis brachte der Kammerpage Friedrich Seinsheim aus der Wenger-Nebenlinie in das Familienpalais der Hauptlinie, das zwischen Paradeplatz und Prannerstraße lag. Während eine von Maximilian Joseph Clemens Seinsheim ausgesandte Estafette die alarmierende Nachricht zum Thronfolger ins preußische Ansbach überbrachte, informierte der Vetter Kammerpage durch ständiges Hin- und Herlaufen zwischen Residenz und Palais über den aktuellen Stand. So trugen die Seinsheim, soweit es in ihrer Macht stand, dazu bei, eine Annexion Bayerns durch Österreich zu verhindern.
Unmittelbar nach dem Tod Karl Theodors begab sich der neue Kurfürst Max IV. Joseph ins Familienpalais seines Anhängers, wo er mit Jubel und Herzlichkeit empfangen wurde. Besonders gerührt zeigte er sich durch die kindliche Theateraufführung, die von August Karl im Stil der Bühnenbilder der „Zauberflöte“ dekoriert und beleuchtet worden war. Nachdem der Vorhang geöffnet wurde, stimmten die Geschwister des Künstlers ein fröhliches Vivat an. Max IV. Joseph kniete am Boden und äußerte seine Freude, als habe man ihm ein großes Fest geschenkt. Er fühlte sich durch diese liebevoll gemeinte Darbietung ebenso geehrt wie bei einem kostspieligen offiziellen Fest.
Maximilians Sohn Johann Franz Maria Arbogast Graf von Seinsheim (1775–1830) war Hofrat und Mitglied der Bayerischen Ständeversammlung (frühes Parlament). Er war Teil der frühkonstitutionellen Entwicklung Bayerns und beteiligt an der politischen Neuordnung nach 1800. Er gehört bereits zur Generation, die vom Absolutismus in den modernen Staat Bayern übergeht.
Die Grafen von Seinsheim waren keine „großen Feldherren“, sondern vor allem Machtmanager des Staates als Minister, Diplomaten, Kirchenfürsten und Reformer.
Sie gehörten zu jener Elite, die Bayern im 18. Jahrhundert politisch, kulturell und administrativ geprägt hat.


HEUTIGE NUTZUNG

Die historischen Wohnräume im Erdgeschoß und im ersten Stock werden wieder als Wohnräume genutzt. Die darüber liegenden Stockwerke beheimaten einen Teil der Kunstsammlungen des European Heritage Projects, insbesondere Kunstwerke der Moderne und Zeitgenössisches. Die Ausstellungsräume dienen gleichzeitig als Dependance des European Heritage Projects in Deutschland, wo regelmäßig politische Gespräche, aber auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden.


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Videobeiträge:

Das European Heritage Project hat eine Darstellung Münchens erworben, die der Künstler Bernardo Bellotto, auch Canaletto genannt, während seiner Zeit in der Isarmetropole malte. Außerdem konnte eine Vorzeichnung und ein Stich, der wahrscheinlich kurz nach dem Bild entstand, erworben werden. Durch den Erwerb der Werke konnte das European Heritage Project den Verbleib eines Teils der bayerischen Kulturgeschichte in der Region sichern.

 

 

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